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150 Jahre Amtsgericht Elze

Mit den 1848 von dem König Ernst-August eingeleiteten und 1852 unter seinem Sohn Georg V verwirklichten Reformgesetzen (vorwiegend zur Neuordnung des Justizwesens) entstanden im Bezirk des "Obergerichts zu Hildesheim" 9 Amtsgerichte, darunter die in Gronau und Elze. Das Amtsgericht Elze war zuständig für etwa 4.500 Untertanen des Königs. Im Jahre 1859 wurde das Nachbargericht in Gronau aufgelöst. Seine Zuständigkeit ging auf das Amtsgericht Elze über, in dessen Bezirk nun etwa 15.000 Einwohner lebten.
Das erforderte natürlich eine Personalaufstockung, vor allen Dingen die Einstellung eines zweiten Richters neben dem "Aufsichtsführenden Richter", wie er später genannt wurde. Bis zum Inkrafttreten der Justizreform stand Alexander Friedrich Sostmann dem Amt Elze als Bürgermeister vor. Er wurde unter Verzicht auf jenes Amt der erste Elzer Amtsrichter. Seine Nachfolge trat 1859 der bis dahin dem Amtsgericht Gronau vorstehende Justus Ludwig Haase an. In der Folgezeit war das Gericht nahezu durchgängig mit zwei Richtern besetzt. 1870 kehrte Sostmann an die Stätte seines einstigen Wirkens zurück, wo er bis 1881 blieb. Die Quellen nennen als weitere Aufsichtführende Richter die Herren Wächter (1881 - 1890), König (1890 - 1899), von Borries (1900 - 1909), Wedekind (1909 - 1913), Rühmkorf (1913 - 1933) und Köchling (1933 -1946) .

Nach Ende des 2. Weltkrieges dauerte es eine Weile, bis das Justizwesen in Niedersachsen wieder neu Organisiert war. Etwa ein Jahr lang war das Amtsgericht Elze eine AußensteIle des Nachbargerichts in Alfeld. Erst Ende 1946 wurde das Amtsgericht Elze "wiedereröffnet" mit dem aufsichtführenden Richter Dr. Haase (1946 -1956).
Es folgten Gerhard Wolff (1956 - 1974), Herbert Seitz (1974 -1975), Johannes Kröling (1975 bis 2000) und seit 2000 Wolfgang Granzow.

Im Laufe der Zeit änderte sich der Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts immer wieder. 1852 umfasste der Bezirk lediglich die Gemeinden Elze, Nordstemmen, Burgstemmen, Heyersum, Mahlerten und Mehle. Nachdem 1859 die Stadt Gronau mit den umliegenden Ortschaften und die Gemeinden Brüggen und Banteln dem Amtsgerichtsbezirk zugeschlagen worden waren, kamen im Jahre 1932 nach der Auflösung des Amtsgerichts Calenberg die Gemeinden Schulenburg, Adensen und Wülfingen hinzu, 1933 Deilmissen, Deinsen und Dunsen. Später folgten Lauenstein und Marienhagen.

100 Jahre nach Gründung des Amtsgerichts Elze zählten bedingt auch durch die hier aufgenommenen Vertriebenen etwa 46.000 Einwohner zu seinem Bezirk. Zum 1. Januar 1976 wurde die Einheitsgemeinde Nordstemmen im Anschluss an die kommunale Gebietsreform aus dem Gerichtsbezirk ausgegliedert und dem Amtsgericht Hildesheim zugeschlagen, ein Schritt, der dann allerdings im Jahre 1983 wieder rückgängig gemacht wurde. Ohne diese Maßnahme wäre der Fortbestand des Amtsgerichts Elze kaum denkbar gewesen, zumal im Gegenzuge Eberholzen, Sibbesse (von 1976 bis 1983 dem Amtsgerichtsbezirk Elze eingegliedert) und Marienhagen dem Amtsgericht Alfeld zugeordnet wurden und auch die Gemeinden Schulenburg und Lauenstein schon eine Weile dem Bezirk nicht mehr angehörten. Heute, also 150 Jahre nach seiner Gründung, ist es zuständig für die Städte Gronau und Elze mit den angegliederten Gemeinden sowie der Samtgemeinde Nordstemmen. In seinem Bereich leben gegenwärtig ca. 38.300 Menschen.

Seine Tätigkeit nahm das Amtsgericht Elze im Jahre 1852 mit einem Amtsrichter, einem "Actuar" und dem Gerichtsvogt auf. 1880 gehörten dem Gericht neben den zwei Amtsrichtern ein Amtsanwalt, 2 Sekretäre, ein Assistent und 2 Gerichtsvollzieher an.
Zwei Rechtsanwälte und Notare waren zugelassen, davon einer in Gronau. An dieser Zahl hatte sich auch bis 1913 nichts Wesentliches verändert. Über die personelle Entwicklung in den Jahren 1913 bis 1951 lassen die leider nur spärlich verfügbaren oder schwer auffindbaren Quellen verlässliche Aussagen nicht zu.

Lag die Elzer Gerichtsbarkeit bis dahin ausschließlich in Männerhand, änderte sich das nach dem 2. Weltkrieg langsam, aber stetig. Wann zum ersten mal Frauen in dieser Männerwelt auftauchten, lässt sich heute nicht mehr exakt feststellen. 1952 zählten zu den jetzt 16 ständigen Angehörigen des Gerichts auch zwei Frauen (Justizangestellte).

Die Zahl der bei diesem Gericht zugelassenen Anwälte ist von 3 (1952) auf 8 (1977) erheblich angewachsen. Heute sind im Bereiche des AG Elze 30 Anwältinnen und Anwälte zugelassen.

Die Wirkungsstätte des ersten Amtsrichters Sostmann blieb wohl zunächst das Rathaus der Stadt Elze, obwohl sich die Stadtväter gegenüber der übergeordneten Behörde am 10.09.1852 verpflichtet hatten, bis spätestens Oktober 1854 ein Amtsgerichtsgebäude zu errichten. Zum einen erwies sich die Suche nach einem geeigneten Bauplatz als schwierig, zum anderen waren ganz offensichtlich Finanzierungsprobleme verantwortlich dafür, dass erst Anfang November 1859 das Amtsgericht an jetziger Stelle seiner Bestimmung übergeben werden konnte.
Für lange Zeit blieb das Gebäude unverändert. Auch heute präsentiert es sich fast noch wie vor 150 Jahren mit einer Ausnahme: Im Jahre 1967 wurde an der Westseite zunächst eingeschossig angebaut, darauf dann 1986 das 2. Geschoss errichtet.

Selbstverständlich gehörten zu dem Amtsgericht auch eine Reihe von Gefängnis- und Arrestzellen sowie der mit hohen Mauern umgebene Gefängnishof. Schon lange sitzen in den Zellen im Nebentrakt keine Gefangene mehr ein. Vielmehr dienen sie heute den Rechtspflegerinnen nach den nötigsten Umbaumaßnahmen als Dienstzimmer. Natürlich - wie fast überall im Lande - hat außerdem die moderne Daten- und Kommunikationstechnik längst Einzug gehalten. Dem heutigen Betrachter präsentiert sich freilich ein recht historisch anmutendes rotes Backsteingebäude. Wenn er, vor dem Gerichte stehend, den Blick nach oben richtet, erkennt er knapp unterhalb des Dachfirstes ein farbig herausgearbeitetes Wappen. Nur noch wenigen ist dessen Bedeutung bekannt.

Es ist das königliche Wappen mit den Insignien Georgs des V, nämlich G(eorg) R(ex) V.

Vieles hat sich also in den 150 Jahren der Elzer Gerichtsbarkeit getan.Obwohl sich das Amtsgericht Elze lediglich 14 Jahre lang als" Königlich-Hannöversches Amtsgericht" bezeichnen konnte, haben die Stürme der Zeit es nicht vermocht, das sichtbare Andenken an den Landesvater der Gründungszeit auszulöschen.

Amtsgericht um 1865

Elzer Amtsgericht um 1865

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